Die asthmatische Entzündung
Die asthmatische Entzündung des Bronchialgewebes lässt sich prinzipiell in zwei Abschnitte untergliedern. Zum einen die allergische Frühreaktion, die in der ersten halben Stunde ihre maximale Ausprägung erreicht und innerhalb von 2 Stunden weitgehend abgeklungen ist. Zum anderen die Spätreaktion, die frühestens nach 5 Stunden einsetzt und ihr Maximum erst nach mehreren Stunden bzw. Tagen erreicht.
Bei der allergischen Frühreaktion wird das inhalierte Allergen von spezialisierten antigenpräsentierenden Zellen wie Makrophagen, Monozyten und dendritischen Zellen aufgenommen und prozessiert. Die antigenpräsentierenden Zellen migrieren in die regionalen Lymphknoten. Dort präsentieren sie mit Hilfe von Histokompatibilitätskomplexen der Klasse II (MHC) und kostimulatorischen (B7) Molekülen naiven CD4+Zellen die immunologisch relevanten Epitope. Abhängig von der Art des Antigens und des jeweiligen Zytokinmilieus differenzieren die naiven T-Helfer-Zellen nun entweder in Th1- oder Th2-Zellen. Dabei trägt das Asthma bronchiale die wesentlichen Züge einer Th2-Zell-dominierten Immunantwort. Die Th-Zellen sezernieren daraufhin typische Zytokine wie IL-4, IL-5 und IL-13, welche sowohl die IgE-Synthese als auch die Ausreifung, Differenzierung und Migration der eosinophilen Granulozyten fördern. Diese Zytokine stimulieren einen Antikörpersubtypenwechsel der antigenspezifischen B-Zellen in Richtung der IgE-Synthese (e-Switch).
Beim Allergiker liegt eine erhöhte Bereitschaft zur IgE-Synthese nach Kontakt mit bestimmten Antigenen vor. IgE zirkuliert im Blut und bindet an hochaffine IgE-Rezeptoren an der Oberfläche von Mastzellen und basophilen Granulozyten und an niedrigaffine Rezeptoren eosinophiler Granulozyten und Makrophagen. Nach erneuter Allergenexposition kommt es zu einer Quervernetzung der membrangebundenen IgE-Antikörper durch das Allergen, wodurch die Mastzellen zur Freisetzung von Mediatoren wie Histamin, Leukotrienen, Prostaglandinen, PAF und anderen inflammatorischen Stoffen veranlasst werden. Die so induzierte Bronchokonstriktion mit Schleimhautödem und Schleimsekretion verursacht Husten, Atemnot und Stridor.
Die asthmatische Spätreaktion ist durch eine Rekrutierung und Aktivierung von Entzündungszellen wie eosinophilen Granulozyten, Makrophagen und Lymphozyten, ins Bronchialgewebe gekennzeichnet. Die von den Th-Zellen (z.B. IL-4 und IL-5), Mastzellen (z.B. Histamin und Leukotriene), Monozyten und Makrophagen sezernierten Zytokine und Entzündungsmediatoren, fördern die Ausreifung, Differenzierung und Migration von eosinophilen Granulozyten in das Gewebe. Der aktivierte eosinophile Granulozyt gibt toxische Produkte wie Sauerstoffradikale, Leukotriene und Granulaproteine ab. Von diesen schädigt das Major Basic Protein (MBP) und das Eosinophile Kationische Protein (ECP) direkt die Epithelzellen, verstärkt die bronchiale Hyperreagibilität und führt zur Degranulation von Mastzellen. Die Freisetzung des LTC4 führt zur Kontraktion der glatten Muskulatur, erhöht die Permeabilität der Gefäße und kann weitere eosinophile Granulozyten rekrutieren. Die Spätreaktion ist also gekennzeichnet durch eine vor allem durch eosinophile Granulozyten geprägte Entzündung, eine erneute Bronchokonstriktion, welche sogar bedrohlicher als die Sofortreaktion ausfallen kann, und schließlich auch durch eine bronchiale Hyperreagibilität.


